Das wahre Leben der Bauernhoftiere

Das wahre Leben der Bauernhoftiere

Nov. 24, 2020 | Goods2know

Allgemeines:

Glückliche Kühe grasen auf saftigen grünen Weiden. Lächelnde Schweinchen wühlen im Dreck, Hühner laufen frei herum. Bauernhofbücher dieser Art gibt es wie Sand am Meer. Denn das ist das Bild, das wir Kindern gerne vorgaukeln. Und auf dieser Grundlage bringen wir ihnen dann vielleicht auch irgendwann bei, dass das Schnitzel ja eigentlich ein Teil vom Schwein ist oder die Milch eigentlich einem Kälbchen gehört. Aber alles nicht so schlimm, denn sie hatten ja ein glückliches Leben. Das Buch „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ von Lena Zeise ist schon lange überfällig. Denn es zeigt relativ realistisch und trotzdem noch kindgerecht, wie Tiere eigentlich gehalten werden. „Relativ“ heißt in dem Fall, dass natürlich nicht die ganze Bandbreite der Grausamkeiten gezeigt wird. Denn Hühner haben ein volles Federkleid und Schweine keinerlei Verletzungen. Kinder bekommen aber so schon mal einen guten Eindruck davon, wie es tatsächlich aussieht. Ein ganz entscheidender Punkt fehlt hier meiner Meinung nach allerdings.

Aufbau:

Thematisiert werden Schweine, Rinder, Hühner, Schafe und Ziegen – jeweils auf ein bis zwei Doppelseiten. Dabei wird sowohl die konventionelle als auch die ökologische Haltung gezeigt. Den Anfang macht eine kurze Geschichte zur Entwicklung der Tierhaltung von mehreren kleinen hin zu großen Höfen.

Dann werden die unterschiedlichen Tiere dargestellt. Hier wird erklärt, dass Schweine unglaublich schlau sind und Spielzeug brauchen um sich zu beschäftigen – aber auch, dass sie sich verletzen, wenn sie nicht genügend Raum und Beschäftigung haben und ihnen deshalb die Schwänzchen abgeschnitten werden. Durchaus realistisch ist auch die Haltung der Schweine. Man sieht die Mutter in einem engen Kasten liegen und ihre Ferkel säugen. Wirklich glücklich sehen die Tiere dabei nicht aus. 

Als nächstes werden Rinder vorgestellt. Auch hier wird den Kindern deutlich gemacht, dass die Tiere für unseren Konsum leiden müssen – ihnen werden die Hörner entfernt, die Kälbchen dürfen nicht bei ihren Müttern bleiben, sie werden gemästet und dann geschlachtet.

Weiter geht es mit Schaf und Ziege. Hier wird die Grausamkeit meiner Meinung überhaupt nicht deutlich. Sätze wie „Ihre Milch ist gesund“ und „Trotzdem müssen Schafe geschoren werden, weil sie die Wolle nicht von allein loswerden können und ihnen zu warm wird“ finde ich in diesem Zusammenhang einfach nicht passend und beschönigen das, was wir mit Tieren machen enorm.

Bei den Hühnern wird es wieder etwas realistischer. Sie schreibt, dass sich mehrere tausend, manchmal zehntausend Hühner in eine Halle drängen müssen und sich die Tiere aufgrund der Enge oft (gegenseitig) verletzen.

Der Tiertransport ist ebenfalls Thema – auch hier optisch alles recht harmonisch dargestellt. Im Text wird dann aber thematisiert, dass der Transport für die Tiere sehr stressig ist und sie sehr unter der Enge, Hitze oder Kälte leiden.

Auf der nächsten Seite sieht man Schweine, die in den Schlachthof getrieben werden. Von Fließbändern und Betäubungsanlagen ist hier die Rede und davon, dass die Tiere betäubt und „nach ihrem Tod rasch verarbeitet werden“.

Als nächstes wird dann noch die ökologische Haltung gezeigt. Bauernhofleben in seiner schönsten Form. Ein paar wenige Hühner, grasende Kühe, Schweinchen, die im Stroh liegen, Kälbchen, die bei ihrer Mutter sein dürfen. Das krasse Gegenteil zur konventionellen Haltung und vielleicht auch ein wenig zu harmonisch.

Zum Schluss wird noch darüber gesprochen, woraus Wurst, Gelatine oder Kekse gemacht sind und es folgt auch der Appell, sich jeden Tag mal genau anzuschauen, was/wen man da eigentlich  isst. Und dabei immer wieder sich selbst und auch die Eltern mal fragen „Wie haben wir darüber mitentschieden, dass es genau so entstanden und zu uns gekommen ist?“ An sich eine sehr gute Idee. Ein entscheidender Teil fehlt aber meiner Meinung nach.

Was ich an dem Buch vermisse:

Leider bleibt die Tierethik komplett außen vor. Es wird überhaupt nicht thematisiert, dass es eine Option sein kann, diese „Produkte“ nicht zu konsumieren. Das müsste meiner Meinung nach dringend mit aufgenommen werden. Denn so lässt man einige Kinder möglicherweise etwas ratlos zurück, wenn man ihnen das Leid aufzeigt, ihnen aber keine Option bietet, tierleidfrei leben zu können und nicht Teil dieser grausamen Maschinerie sein zu müssen. Kinder lieben Tiere. Hier wird ihnen erzählt, dass genau diese getötet, in kleine Teile zerlegt und gegessen werden. Da ist es unerlässlich, Kindern einen Ausweg, eine Alternative aufzuzeigen. Man muss ihnen klar machen können, dass sie an diesem System nicht teilhaben müssen, dass – wenn sie es nicht möchten – wegen ihnen kein Tier mehr sterben muss. Das wäre für mich der krönende und zwingende Abschluss gewesen.

Verlag: Klett Kinderbuch, 40 Seiten, 16 €, ab 7 Jahren

Das Buch wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank dafür.

Kinder sollten meiner Meinung nach so früh wie möglich selbst entscheiden dürfen, was sie essen möchten. Seht ihr das auch so? Schreibt mir gerne mal!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schon gesehen?

Einfacher Apfelkuchen

Schnell, einfach, vegan: Dieser Apfelkuchen gelingt immer und sorgt im Handumdrehen für süßen Genuss. Jetzt probieren!

Vegane Pizzasuppe

Pizza oder Suppe? Warum nicht beides! Diese vegane Pizzasuppe bringt all die Aromen, die du liebst – cremig, würzig und unwiderstehlich. Perfekt zum Löffeln und Genießen!

Warmer Kürbis-Salat

Schon mal Kürbis im Salat probiert? Falls nicht, solltet ihr das unbedingt nachholen! Der warme Ofenkürbis harmoniert einfach perfekt mit Rucola, Granatpfelkernen, Walnüssen, Kürbiskernen und Zwiebeln.

Zitronen-Engelsaugen

Die klassischen Engelsaugen sind mit roter Füllung – diese hier sind gefüllt mit veganem Lemon Curd. So lecker! Und so schnell gemacht. Neugierig geworden? Dann ab zum Rezept!

Rentier-Plätzchen

Die veganen Rentier-Plätzchen schmecken, wie sie aussehen: zuckersüß. Und dazu sind sie noch super wandelbar – mit großen Zuckeraugen oder kleinen, mit Mund und Nase oder auch ohne. Sie sehen einfach immer putzig aus. Ihr könnt euch hier richtig kreativ ausleben. Das Grundrezept gibt’s hier.

Engelsaugen

Engelsaugen, manche nennen sie auch Husarenkrapfen, sind ein Klassiker in der Plätzchendose. Was ihr dafür braucht? Zucker, vegane Margarine, Mehl, Mandeln, Stärke und Gelee.

Compassion Fatigue

Compassion Fatigue zeigt, wie groß dein Herz ist – aber auch, dass du Grenzen brauchst. Hier erfährst du, wie du dich stärken und langfristig für Tiere da sein kannst.

Vystopie – der Schmerz der VeganerInnen

Wir leben in einer Gesellschaft, der das Leid der Tiere völlig egal zu sein scheint. Aber was passiert, wenn man mal hinter die Kulissen der Tierindustrie blickt? Wenn man erkennt, wie sehr die Tiere leiden, man ihnen aber nicht helfen kann? Dann kann es sein, dass wir in einen depressiv-traumatischen Zustand fallen – in die Vystopie. Darüber habe ich mich mit Dr. Tamara Schneider unterhalten.

Schweine-Kekse

Die pinkfarbenen veganen Schweine-Mürbteig-Kekse mit leckerem Zitronenguss schmecken nicht nur superlecker – sie sind auch ein optisches Highlight und dazu noch ganz einfach und mit wenigen Zutaten gemacht.

Vegan backen

Vegan backen kann jeder! Ob Waffeln, Kuchen oder Amerikaner: zum Backen braucht man weder Eier noch Milch oder Butter.

Pin It on Pinterest

Das Leben ist schöner, wenn man teilt.

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden und zeige ihnen, wie lecker vegan ist.

Das Leben ist schöner, wenn man teilt.

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden und zeige ihnen, wie lecker vegan ist.