Tauben

Tauben

Aug 14, 2022 | Inspiring Earthlings

Sie werden oft abfällig als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet. Man sagt über Tauben, sie seien schmutzig und würden Krankheiten übertragen. Es ist höchste Zeit, diese Vorurteile aus dem Weg zu räumen.
Mit diesem Artikel möchte ich euch zeigen, dass Tauben absolut liebenswerte Tiere sind, die es verdient haben, respektiert und gemocht zu werden. Das findet auch Anja Noll. Und die muss es wissen, denn sie kümmert sich bereits seit vielen Jahren um Wildtiere im Allgemeinen und konnte so schon jede Menge Erfahrungen sammeln. Danke Anja, dass du dich um diese tollen Tiere kümmerst und dass du dir die Zeit genommen hast, uns etwas über sie zu erzählen.

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Über Tauben sagt man ja leider gerne mal, dass sie dreckig seien und Krankheiten übertragen würden. Was sagst du dazu?

Das stimmt, leider werden Tauben nach wie vor als Krankheitsüberträger und Plage gesehen. Dabei haben sie nicht mehr oder weniger Krankheiten als ein Spatz, eine Amsel oder eine kleine Meise.
Zudem sind die meisten Krankheiten artenspezifisch. Das bedeutet, dass diese Krankheiten nicht auf Säugetiere oder den Menschen übertragbar sind. Leider haben Stadttauben keine wirkliche Lobby und so hält sich dieses Gerücht sehr hartnäckig.

Woher kommen Stadttauben eigentlich?

Ursprünglich stammen Zuchttauben von der wilden Felsentaube ab, die in den gemäßigten Breitengraden vorkommt. Wie der Name schon sagt, bevorzugt sie Klippen und Felsen als Lebensraum.
Mit der Domestikation der Felsentaube entstanden viele Rassen, die damals unter anderem zur Fleischgewinnung dienten aber auch wichtige Helfer in der Kommunikation waren und als Brieftauben eingesetzt wurden. Die Nachfahren ausgesetzter, verlorengegangener oder entflohener Rassetauben sind heute die obdachlosen Stadttauben. Durch den Instinkt ihres Ursprungs brüten sie in Nischen an Gebäuden. Im Laufe der Domestikation und der selektiven Zucht wurde ihnen ein Brutzwang angezüchtet. Dadurch legen sie, ähnlich wie Hühner, unabhängig von Witterung, Jahreszeit oder Nahrungsangebot Eier.

 

Wie alt können Tauben werden?

Eine Taube kann unter guten Bedingungen ein Alter von über 12 Jahren erreichen. In der Stadt liegt die Lebensspanne meist nur bei 1 bis 3 Jahren. Dies ist zum einen den Gefahren durch Autos, sogenannten Abwehrmaßnahmen und Gift, aber vor allem dem Mangel an artgerechter Nahrung, geschuldet. Tauben sind reine Körnerfresser und benötigen pro Tag eigentlich etwa 40 Gramm an Getreide, Mais, Erbsen und Sämereien. In den Städten finden sie aber meist nur Zigarettenstummel, heruntergefallene Pommes oder Brotkrümel – alles keine artgerechten Nahrungsmittel. Tauben zu füttern ist aber leider in den allermeisten Städten verboten.

Lange glaubte man, dass Tauben Krankheiten übertragen würden.
Das ist mittlerweile aber wissenschaftlich widerlegt.

Wie kam es dazu, dass du Tauben rettest und wie kann man sich das genau vorstellen?

Durch meine Arbeit mit Wildtieren kamen auch immer wieder Anfragen wegen verletzter oder kranker Tauben. So bin ich dazu gekommen, mich auch um die Stadttauben zu kümmern. Ich schaue mir die Tiere an, untersuche den Kot und behandle sie. Wunden werden gereinigt und desinfiziert, Medikamente und Eingriffe erfolgen mit Hilfe meiner Tierärztin. 

Woran erkenne ich, ob eine Taube Hilfe braucht?

Anders als viele Singvögel haben Tauben keine Ästlingsphase und verlassen flugfähig das Nest. Findet man also ein flugunfähiges Jungtier benötigt dies immer Hilfe. Auch wenn eine Taube aufgeplustert, apathisch oder mit geschlossenen Augen dasitzt, hat sie meist ein Problem. Viele Laien denken, die Tauben in der Stadt wären wohl genährt, weil sie auf den ersten Blick rundlich aussehen. Dem ist aber nicht so. Das Federkleid verdeckt den eigentlichen Ernährungszustand. Auch haben viele Tauben mit verschnürten Füßen zu kämpfen – durch liegengelassenen Müll. Fäden, Haare oder Schnüre wickeln sich eng um die kleinen Zehen und drücken die Blutzufuhr ab, bis diese schließlich absterben. Das ist langwierig und sehr schmerzhaft für das Tier. Gerade da Tauben einen großen Teil der Zeit auf dem Boden verbringen.

Was kann ich tun, wenn eine Taube Hilfe braucht?

Das Wichtigste ist immer, das Tier direkt zu sichern. Man kann Tauben unbesorgt mit der bloßen Hand anfassen. Niemals sollte man eigenständig einem Vogel Flüssigkeit in den offenen Schnabel einflößen oder Futter eingeben. Gerade bei einem Anflugtrauma oder einer Verletzung stehen die Tiere unter Schock oder leiden an einer Gehirnerschütterung. Dies kann den Schluckreflex beeinträchtigen und Flüssigkeit kann in die Lunge geraten. Am besten ist es, das Tier erst einmal in einem gerollten, zu einem Nest geformten, Handtuch in einem Karton mit Deckel unterzubringen und sich dann Hilfe bei einer Auffangstation zu holen. Bei schweren Verletzungen sollte ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden. Nicht jeder Haustierarzt kennt sich mit Vögeln aus, dies bedarf einer zusätzlichen Weiterbildung. Die meisten Tierärzte, die Reptilien behandeln, kennen sich in der Regel auch mit den gefiederten Patienten aus.
Sollte man eine Taube finden, die Hilfe braucht, wendet man sich am besten an eine örtliche Taubenhilfe (falls vorhanden) oder eine Wildtierstation.
Viele Auffangstationen findet man auf www.wildvogelhilfe.org oder in den Facebook Gruppen Wildvogelhilfe Notfälle oder Tauben Notfallmeldung.

Die Nachfahren ausgesetzter, verlorengegangener oder entflohener
Rassetauben sind heute die obdachlosen Stadttauben.

Findest du Tauben auch so toll?

4 Kommentare

  1. Gabi

    Ich mag die Tauben 🕊
    Sie sind Tiere und deswegen gehören sie geschützt und geliebt 🥰

    Antworten
  2. Marianne Burkhardt

    Ich bewundere die Tauben. Für ihr Verhalten, das von Friedfertigkeit geprägt ist. Nie verstösst sie einen der anderen Vögel, die so viel kleiner sind als sie. Sie landen ganz behutsam an den Futterstellen und tippeln langsam an, um nur keinen Vogel zu erschrecken. Die viel kleineren Vögel, auch die Jungvögel wissen das und picken ungestört weiter. Wenn sie dagegen einen Rabenvogel von Weitem erblicken, bringen sich alle fluchtartig in Sicherheit.
    Die Tauben sind so dankbar, wenn sie nicht verscheucht werden. Fühlen sie sich sicher, bleiben sie sogar und nehmen Blickkontakt auf. Abends kommen sie später als alle anderen Vögel. Sollte kein Futter mehr da sein, schreiten sie vorsichtig vor der Terrassentüre hin und her, bis man auffüllt, fliegen kurz weg, beobachten und fliegen für die Abendmahlzeit wieder an. Am liebsten picken sie vom Boden, fliegen aber auch das grosse Vogelhaus an, ohne kleinere Vögel zu verdrängen oder gar wegzupicken, wie es mit Vorliebe die Stare machen.

    Antworten
    • Tanja Hauser

      Tauben sind einfach großartig 🙂 Danke für diese wunderschönen Worte!!

      Antworten

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