Anna-Lena Klapp

Anna-Lena Klapp

Jan 31, 2021 | Inspiring Earthlings, Werbung

Anna-Lena ist Aktivistin, Autorin, Ernährungswissenschaftlerin und Doktorandin der Agrarwissenschaften. Als Fachreferentin für Ernährung und Gesundheit arbeitet sie bei ProVeg International in Berlin sowie als Hochschuldozentin im Bereich „Nachhaltige Ernährung“. Letztes Jahr erschien ihr Buch „Food Revolte“. Ein politisches Sachbuch, in dem sie über die Notwendigkeit schreibt, Veganismus und Feminismus zusammenzudenken. Wie es zu dem Titel kam und warum es so wichtig ist, sich gegen mehrere Ungerechtigkeiten einzusetzen, erzählt sie hier.

Titelbild: Lars Walther

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Anna-Lena, wie lange lebst du schon vegan und wie kam es dazu?

Bevor ich im Sommer 2009 Veganerin wurde, war ich drei Jahre lang Vegetarierin. Ich traf diese Entscheidung damals aus ethischen Gründen. Ich wollte nicht länger, dass Tiere für mich getötet werden. Das erste Mal in Berührung kam ich mit dem Thema in der Hardcore-Punk-Szene, in der ich mich zu dieser Zeit bewegte. Schon damals spielte Veganismus dort eine Rolle, sowohl in den Songtexten als auch auf den Konzerten selbst, bei denen es meistens richtig leckeres veganes Essen gab. Den finalen Schubser bekam ich dann wie so viele andere durch den Film Earthlings, den ich übrigens bis heute noch nicht zu Ende gesehen habe. 
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Food Revolte - ein vegan-feministisches Manifest: Hattest du den Titel direkt im Kopf oder hat es länger gedauert, bis du dich dafür entschieden hast?

“Food Revolte” ist auch der Name meines Blogs und ich fand ihn ebenso passend für das Buch. Der Untertitel entstand während des Schreibens. Ein Manifest ist eine öffentliche Erklärung von konkreten politischen Zielen und Absichten. Es ist ein sehr starkes, bedeutungsvolles Wort. Als ich begann, dieses Buch zu schreiben, hätte ich es vermutlich nicht gewählt, aber mittlerweile kann ich sagen: es ist genau das geworden.
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Beschäftigt man sich intensiver mit einem Thema, machen sich oft ganz viele neue Türen zu anderen Themen auf, die auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben. Ging dir das auch so mit dem Veganismus? Wie hat sich das bei dir entwickelt?

Ja, auf jeden Fall. Zu Beginn habe ich mich sehr mit den tierethischen Aspekten auseinandergesetzt. Über die Jahre sind die Themen Menschenrechte und Umweltschutz besonders stark in den Fokus meines Interesses gerückt. Veganismus ist mittlerweile für mich ein politisches Statement, denn das, was wir essen, ist in einer globalisierten Welt keine reine Privatsache mehr. Im Gegenteil. Sei es der Klimawandel, der Verlust von Biodiversität, Land Grabbing und Menschenrechtsverletzungen, die Welthungerproblematik, antibiotikaresistente Keime oder auch die Bedrohung von Pandemien durch zoonotische Krankheiten. Alles hängt mit unserer Nahrungsmittelauswahl und unserem tierfixierten Ernährungssystem zusammen.
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Du schreibst in deinem Buch, dass es inkonsequent sei, sich gegen Sexismus, Rassismus, Klassismus etc. auszusprechen, bei einem derart zerstörerischen System wie dem Fleischsystem aber wegzusehen. Kannst du das näher erläutern?

Zuallererst möchte ich darauf verweisen, dass der Einsatz gegen die hier genannten Unterdrückungsformen immer richtig und wichtig ist – egal wie man sich ernährt. Dennoch verwundert es mich immer wieder, dass viele das Thema Ernährung von ihrem Gerechtigkeitssinn ausklammern. Wir betreiben einen enorm umweltzerstörerischen Aufwand, um Fleisch in den Massen, in denen wir es konsumieren, herstellen zu können. Dabei beuten wir sowohl Tiere als auch Menschen aus. Gleichzeitig wird das Essen von Fleisch mit Argumenten gerechtfertigt, die man in anderen Bereichen längst nicht mehr durchgehen lassen würde, wie beispielsweise: Fleischessen ist biologisch veranlagt und daher natürlich, Fleischessen ist aufgrund seiner Nährstoffe für unsere Gesundheit notwendig und Fleischessen gehört zu unserer Tradition und ist deshalb normal. Auch das Patriarchat wurde und wird immer wieder mit denselben Mythen gerechtfertigt: Männliche Dominanz ist biologisch veranlagt und natürlich, männliche Dominanz ist zum Fortbestehen der Familie und der Gesellschaft notwendig und männliche Dominanz gehört zu unserer Tradition und ist deshalb normal. Dass das völliger Quatsch ist, muss ich an dieser Stelle wohl nicht weiter ausführen. 
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Findest du, dass sich speziell Feminist*Innen und Veganer*Innen eigentlich viel stärker verbinden müssten, da sie für eine ähnliche Sache kämpfen? Wie meinst du, können wir das erreichen?

Absolut, ja! Es klingt banal, aber der erste wichtige Schritt ist, die jeweils andere Bewegung mit ihren Forderungen ernst zu nehmen und nicht krampfhaft zu versuchen, eine Wertung in die unterschiedlichen Kämpfe hineinbringen zu wollen. Es ist möglich und meiner Meinung nach auch nötig, sich gegen mehrere Ungerechtigkeiten gleichzeitig einzusetzen und die verschiedenen Formen von Benachteiligung und Diskriminierung stets mitzudenken. Dabei geht es nicht um Perfektionismus, sondern darum, dass wir voneinander lernen können und solidarisch miteinander sind. Ich denke, Solidarität ist der Schlüssel für Veränderungen. Unabhängig davon lohnt es sich aus zahlreichen Gründen, vegane und feministische Theorien zusammenzudenken. Das wussten bereits die Suffragetten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht eintraten. Auch darüber schreibe ich in meinem Buch. 
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Wen möchtest du mit deinem Buch erreichen. Hattest du beim Schreiben eine konkrete Zielgruppe vor Augen?

Beim Schreiben hatte ich als Zielgruppe vor allem Aktivist*innen aus den Bereichen Umweltschutz, Tierrechte und Feminismus vor Augen, die ich für die unterschiedlichen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung sensibilisieren möchte. Dabei zeige ich auf, wo konkrete Probleme in der veganen Bewegung liegen und versuche anschließend Lösungen zu diskutieren. Ergänzend dazu stelle ich zahlreiche inspirierende Projekte und Personen vor die zeigen, wie es anders gehen kann. Letztlich ist das Buch für alle Menschen, die erkannt haben oder vielleicht noch erkennen wollen, dass Ernährung politisch ist. 

Ihr wollt mehr erfahren?

Kann ich gut verstehen 😉 Ich kann euch das Buch wirklich nur ans Herz legen. Denn es öffnet den Blick und bringt den Veganismus auf eine ganz neue Ebene. Ein herzlicher Dank geht an Anna-Lena für das Interview und an den Grünersinn-Verlag für das Buch!

Kennt ihr das Buch schon?

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