Peter Hübner – Vom Metzger zum Veganer

Peter Hübner – Vom Metzger zum Veganer

Feb 23, 2020 | Inspiring Earthlings

Peter Hübner ist gelernter Metzger, war Jäger und leidenschaftlicher Angler. Heute ist er überzeugter Veganer und Tierrechtler. Wie es zu dieser Transformation kam und wie der Alltag als Metzger so aussieht, hat er mir letzte Woche auf der BIOFACH in Nürnberg erzählt. Danke Peter! Für deine ehrlichen und offenen Worte, deine Zeit und deinen unermüdlichen Einsatz für die Tiere! Deine Arbeit ist so wertvoll.

Peter, wie kam es, dass du den Beruf des Metzgers gewählt hast? Hast du dich bewusst dafür entschieden?

Ich hab als Kind schon das Schlachten gelernt. Für mich war das kein Problem, ich hab ja auch gerne Fleisch gegessen. Eigentlich wollte ich Koch werden. Habe damals aber keinen Ausbildungsplatz bekommen. Also dachte ich mir: Was muss ein guter Koch können? Der muss mit Fleisch umgehen können. Also werde ich Fleischer. Innerhalb der Fleischerei wollte ich dann auch unbedingt in die Schlachtung. Das gehörte für mich einfach dazu. Meine Devise war und ist: Wer nicht töten kann, darf kein Fleisch essen. Damals wusste ich aber nicht, was im Schlachthof auf mich zukommen würde. Nach der Ausbildung hab ich dann auch nicht mehr in dem Job gearbeitet. Daran wollte ich mich nicht mehr beteiligen. Das war nicht das, was ich als Kind gelernt hatte.

Wie sieht so ein Alltag als Metzger aus? Ist man sich bewusst, womit man da arbeitet?

Ja und nein. Ich habe Fleischer gelernt, war also in der Verarbeitung. Der Schlachter tötet, nimmt aus und zerlegt die Tiere in Hälften. Diese Hälften kommen zum Fleischer, der daraus dann Produkte wie Wurst und Schnitzel macht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein Produkt auf dem Tisch liegen. Das Tier habe ich nicht mehr gesehen. Als ich dann aber in der Schlachterei war und die Tiere kamen lebend an – das war für mich unglaublich schwer zu ertragen. Du riechst den Tod – und die Tiere auch.

Wie kann es Menschen geben, die diesen Beruf ganz bewusst auswählen?

Man fängt mit falschen Vorstellung an. Kein Mensch kann sich einen Schlachthof auch nur annähernd vorstellen. Die Fleischerei ist das eine. Da arbeitest du in einer Küche mit einem bereits zerlegten Stück Fleisch. Aber diese lebenden Tiere im Schlachthof – da musst du abschalten und auf Dauer auch abstumpfen, das geht gar nicht anders. Es gibt eine amerikanische Studie, die belegt, dass in Städten, in denen es vermehrt große Schlachtbetriebe gibt, die Raten an häuslicher Gewalt prozentual höher sind als in anderen Städten. Woran das liegt? Man verroht. Man verliert seine Hemmungen. Ich hab das auch an mir selbst gemerkt. Als ich als Jugendlicher im Schlachthof gearbeitet habe, war ich wesentlich gewaltbereiter. Wenn mir einer krumm gekommen ist, dann hat der Stärkere gewonnen. Punkt. Heute bin ich Pazifist.

„Kein Mensch kann sich einen Schlachthof

auch nur annähernd vorstellen.“

Spürt man als Schlachter Empathie für die hilflosen Wesen?

Ich habe Tiere in der Situation als Ware betrachtet. Sonst kannst du diesen Job nicht ausüben. Wer länger in dem Beruf arbeitet, verroht früher oder später. Ich kam abends nach Hause und hab mich gefragt: Was war das?? Das Schlimme ist, du kannst ja nichts machen. Die Tiere kommen an, du riechst den Tod, du riechst die Angst und den Stress und du weißt aber ganz genau: wenn du jetzt nicht mitarbeitest, leiden die Tiere umso länger. Mir kann keiner sagen, dass die Tiere stressfrei in die Schlachtung gehen. Sie sind schon im Lkw unruhig und sie wissen, was auf sie zukommt. Das siehst du auch ganz deutlich in ihren Augen. Jede Sekunde, die sie schneller tot sind, ist eine Erlösung für sie. Wir mussten im Takt von acht Sekunden töten. Der Stecher, also der, der das Tier umgebracht hat, stand unter Akkord, alle anderen haben Stundenlohn bekommen. Natürlich waren die Stecher dann die, die alle anderen angetrieben haben. Zwangsläufig kam es dadurch zu Fehlbetäubungen. Unter Druck ein Tier zu betäuben, das funktioniert einfach nicht. Irgendwann hab ich dann mitbekommen, dass die morgens zum Frühstück schon Bier tranken – du musst dich ja irgendwie betäuben. Ohne das verkraftest du diesen Job schlichtweg nicht. Man ist natürlich nicht betrunken, aber die Witze werden ein bisschen zotiger und die Arbeit wird „ein bisschen burschikoser“. Ich habe oft gesehen, dass die Schlachthofmitarbeiter die lebenden Tiere mit Gewalt traten und mit Elektroschockern treiben. Das aber meist aufgrund des Zeitdrucks, den sie haben, die Tiere in die Schlachtung zu bringen. Jedes siebte Tier geht unbetäubt ins Brühbecken.

In deiner Ausbildung gab es dann das so genannte Lehrlingsfrühstück. Was genau hat es damit auf sich?

Es gibt regional ganz bestimmt Traditionen. In meiner Region musste man entweder ein Glas körperwarmes Blut trinken oder ein Stück rohe Leber, Niere oder Hirn essen. Der Sinn dahinter: Wenn du das isst, überwindest du deinen Ekel und du verlierst ein Stück weit deine Hemmungen. Du härtest dich ab. So kannst du auch mit der Materie ganz anders arbeiten. Du bekommst ein anderes Gefühl dafür. Ich habe mich dann für das körperwarme Blut entschieden.

Ist das nicht ein unbehagliches Gefühl, etwas Körperwarmes in der Hand zu halten, geschweige denn zu konsumieren?

Daran musst du dich als Metzger gewöhnen. Alles, womit du arbeitest, ist körperwarm. Ein Tier ist in der Schlachtung in der Regel innerhalb von fünf Minuten halbiert und bereit für die Fleischerei. Der Ablauf ist immer der gleiche: Der Lkw mit den lebenden Tieren kommt an – die Tiere bleiben für zwei Stunden da drin, damit sie sich beruhigen und die Stresshormone abbauen – was Blödsinn ist. Sie beruhigen sich nicht. Denn sie wissen, was auf sie zukommt. Nach zwei Stunden fährt der Lkw dann auf den Hof, die Brücke geht runter, die Tiere werden in einen Gang getrieben, werden betäubt, gestochen und entblutet. Danach werden sie abgebrannt und das Fell wird runtergezogen. Dann werden sie halbiert. Die Gedärme hängen noch raus, die muss dann noch einer vollständig rausziehen. Die Innereien werden am Band sortiert – all das ist noch warm, wenn du es in die Hand nimmst. Denn das Tier hat ja gerade noch gelebt.

„Ich habe oft in weinende Rinderaugen gesehen.

Das lässt mich nicht mehr los.“

Als Metzger sieht man offensichtlich so einiges. Gab es Dinge, die dich schockiert haben?

Da gab es tatsächlich mehrere Dinge. Ich habe zum Beispiel oft in weinende Rinderaugen gesehen. Ja, Rinder weinen, genauso wie Menschen. Die Panik und die Angst steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wenn du dann das Bolzenschussgerät ansetzen musst und in diese hilflosen, traurigen Augen blicken musst, lässt dich das nicht mehr los. Ich persönlich kenne auch nur ganz wenige Schlachter, die den Tieren beim Erschießen in die Augen sehen können. In der Regel schaust du grob in die Richtung, damit du das Bolzenschussgerät ansetzen kannst, versuchst aber, Blickkontakt zu vermeiden. Und das ist kaum zu schaffen. Du musst nämlich einen ganz bestimmten Punkt zwischen den Augen treffen, dann setzt du das Bolzenschussgerät an, durchschlägst die Schädeldecke und erzeugst einen Überdruck, damit wird Gewebemasse zerstört. Das Ganze ist ja aber kein Schuss, sondern ein Öffnen der Schädeldecke. Beim Rausziehen erzeugst du einen Unterdruck und die Schmerzzentrale ist ausgeschaltet – wenn du richtig triffst. Du kannst aber kaum richtig treffen, weil du dem Rind nicht in die Augen sehen kannst. Außerdem wackelt das Rind mit dem Kopf – klar, es ist verängstigt und panisch. Deshalb kommt es zu vielen Fehlbetäubungen. Das Rind fällt dann zwar zu Boden, du musst aber nachschießen. Wenn du Glück hast, triffst du. Wenn du aber beim zweiten Schuss nicht getroffen hast, kannst du keinen Über- oder Unterdruck mehr erzeugen, da das Rind jetzt schon zwei Löcher in der Stirn hat. Öfter nachzuschießen bringt also nichts. Deshalb heißt es eigentlich: Wenn du beim zweiten Mal nicht getroffen hast, schlachte das Tier, du kannst es nicht mehr von seinen Schmerzen befreien. Egal ob es betäubt ist oder nicht. Also töte es besser so schnell wie möglich.
Auf Undercover-Bildern sieht man immer wieder Schlachter, die sechs, sieben Mal nachschießen. Das ist erschreckend. Solche Bilder machen mir echt zu schaffen.
Was mich auch nachhaltig schockiert hat: An meinem zweiten Tag als Fleischer hab ich eine Keule auf den Tisch bekommen, da war ne Eiterbeule drin. Ich wollte sie eigentlich wegwerfen. Mein Chef sagte aber zu mir, ich solle das Ganze einfach dünn ausschneiden. Und dünn hieß in dem Fall, einfach ein bisschen davon abschaben. Das restliche Fleisch wurde verarbeitet. Der Eiter landet gesammelt in so genannten Eiterboxen. Sowohl Eiter als auch das gesamte verarbeitete Fleisch wurden am Ende des Tages gewogen. War es prozentual in Ordnung, war das ganze Fleisch gut. Und man beachte: ich habe bei einem Metzger „Feinkost und Konserven“ gearbeitet. So viel zum Thema „Fleischer des Vertrauens“. 

Also gibt es den „Metzger des Vertrauens“, den „Metzger von nebenan“ gar nicht?

Nein, denn auch der bezieht sein Fleisch zu 95 Prozent vom Schlachthof und weiß nicht, wo das Tier herkommt. Und selbst die viel zitierte Bio-Schlachtung findet in konventionellen Schlachthöfen statt. Erst letztes Jahr wurden Grausamkeiten in einem Schlachtbetrieb in Oldenburg aufgedeckt, in dem Tiere unbetäubt in die „Verarbeitung“ gingen. Das ist ein Schlachthof, der vier Tage „normal“ gearbeitet hat und einen Tag die Woche regional Bio geschlachtet hat. Der Verbraucher macht sich etwas vor, wenn er glaubt, es gebe den Metzger des Vertrauens. Es gibt auch kein Fleisch von glücklichen Tieren. Nur von toten. Und ob Bio oder nicht, die Tierhaltung im Gesamten ist grauenvoll. Dort nehmen wir den Tieren das Leben, noch bevor wir sie töten.

Kann man deiner Meinung nach ein Tier human töten?

Gegenfrage: Gibt es eine humane Vergewaltigung? Nein, es ist und bleibt ein Gewaltakt. Selbst wenn ich dir K.O.-Tropfen gebe, du nichts mitbekommst und ich dich vergewaltige – dann ist und bliebt es ein Gewaltakt, ein Akt, den niemand will. Das ist beim Tier doch nichts anderes. Ich kann niemanden human töten, der nicht sterben will. Aber davor verschließen wir die Augen. Wir halten Lebewesen, züchten sie, um sie zu essen. Das ist alles andere als human.

„Auch die viel zitierte Bio-Schlachtung

findet in konventionellen Schlachthöfen statt.“

Warum reagiert die Politik nicht darauf?

Wie die Politik arbeitet, sieht man am Beispiel der betäubungslosen Ferkelkastration sehr deutlich. Ein Ferkel wird kastriert, weil ein Eber, wenn er in die Pubertät kommt, einen strengen Geruch entwickelt – wie der Mensch auch. Das möchte der Verbraucher nicht. Fleischessen soll zwar etwas Natürliches sein, aber den Ebergeruch will natürlich keiner. Deswegen schneiden wir den Ferkeln die Hoden ab. Es gibt einen Impfstoff, der die Hormonentwicklung unterbindet, der ist seit 1995 in Neuseeland zugelassen und seit 2005 europaweit. Der hat keinerlei Nebenwirkungen. Die zweifache Impfung kostet zwischen 4,20 Euro und 4,60 Euro. Ein Eber bringt im Schnitt um die 80 Kilogramm Fleisch. Das ist also nicht wahnsinnig viel Geld. Und was macht die Politik? Beschließt im Dezember 2018, dass die betäubungslose Ferkelkastration weitere zwei Jahre zulässig ist, weil es den Landwirten nicht zuzumuten sei, umzusteigen. Ganz ehrlich, die Politiker, die das entschieden haben, haben mit den Ferkeln eines gemeinsam: Sie haben keine Eier. Genauso das Kükenschreddern: Das Oberste Deutsche Gericht hat im Mai festgelegt, dass dies eine Straftat ist und gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Das ist Fakt. Und dann sagt der gleiche Richter (!), dass es den Metzgern über Jahre erlaubt war, es zu tun. Es sei ihnen ja nicht zuzumuten, von heute auf morgen umzustellen. Er hat das Kükenschreddern dann ohne Zeiteinschränkung genehmigt. Was ist das für eine Logik?? Wenn ich zehn Jahre Steuern hinterziehe und das Finanzamt kommt dahinter und ich sage dem Finanzamt: „Hey, ich hab das zehn Jahre lang gemacht, ihr könnt mir doch jetzt nicht zumuten, dass ich von heute auf morgen umstelle.“ Was würden sie wohl dazu sagen? Aber das wäre doch das gleiche in Grün.

 

Also alles eine Sache des Geldes?

Wenn eine Kuh krank ist, geht der Landwirt oft nicht mit ihr zum Tierarzt. Denn der kostet ja Geld. Deshalb lässt er sie lieber sterben, melkt sie aber noch bis zum Schluss, bis auf den letzten Blutstropfen. Er kann gar nicht anders, weil er sonst pleite gehen würde. Was müssen wir also tun? Seit ich denken kann, heulen die Landwirte. Wir müssen die Tierhaltung verbieten. Wir müssen die Landwirte dazu bringen, pflanzenbasierte Landwirtschaft zu betreiben. Da müssen die Subventionen in Höhe von 56 Milliarden Euro hineinfließen. Weg aus der Tierhaltung. Damit tun wir auch etwas fürs Grundwasser und für unseren Planeten. Wir bräuchten Tomaten, Gurken und Co. nicht mehr zu importieren, sondern könnten alles regional anbauen. Die Flächen dafür haben wir. Und der Markt ist da.
Ein anderes Beispiel: In den 90er Jahren/ Anfang der 2000er gab es ab und zu mal Skandale bezüglich der EU-Tiertransporte, wo Tiere an Haken gehängt auf ein Schiff geladen wurden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben leider nur sehr wenig darüber berichtet. Warum? Weil die Fleischbranche viel an Werbung ausgibt. Hätten sie darüber berichtet, wären ihnen die Werbeeinnahmen weggebrochen. Durch die sozialen Medien haben wir mittlerweile zum Glück die Möglichkeit, solche Bilder an die Öffentlichkeit zu bringen. Und das Thema zieht. Die Menschen wollen von uns aus der Fleischbranche Dinge wissen, die für uns selbstverständlich waren. Viele wissen tatsächlich nicht, was in dem Bereich abgeht. Und durch das Veröffentlichen zwingen wir die Medien quasi dazu, darüber zu berichten. Dadurch, dass immer mehr Medien solche Skandale aufgreifen, fangen auch die Menschen an, darüber zu sprechen. In diesem Zusammenhang würde ich behaupten, ist auch der „Metzger des Vertrauens“ auf der Bildfläche erschienen. Ich glaube, den gab es davor einfach nicht. Viele müssen sich mit so etwas ihr Gewissen beruhigen. Und viele brauchen eine Entschuldigung, eine Rechtfertigung, um weiterhin tierische Produkte konsumieren zu können.

 

„Ich kann niemanden human töten,

der nicht sterben will.

Es ist und bleibt ein Gewaltakt.“

Was sagst du zum Thema Tierwohl?

Tierwohl, wie es immer so propagiert wird, gibt es nicht. Ein Schwein wird in einer Gruppe gehalten. Ein Tier hat gesetzlich festgelegt einen Mindeststandard von 0,75 Quadratmeter. Das Tierwohlsiegel sieht 0,9 Quadratmeter vor. Das ist ein DIN A 3 Blatt mehr. Das ist ein schlechter Witz. Der höchste Bio-Standard, den wir momentan in Deutschland haben, liegt bei 2,3 Quadratmeter. Ein Schwein wird ein Drittel seines Lebens in der Gruppe gehalten. Das andere Drittel ihres Lebens steht eine Sau in der sogenannten Besamungsbox. Dort wird sie künstlich besamt. Dabei soll sie stehen, damit sich das Sperma gut verteilt. Bis die Schwangerschaft nachgewiesen ist, muss sie in dieser Box bleiben. Wenn sie dann schwanger ist, kommt sie wieder in die Gruppenhaltung. Danach kommt sie in die Abferkelbox, wo sie liegen muss. Aktuell ist es so, dass die Sau hier zumindest ihre Gliedmaßen ausstrecken und sich umdrehen können muss. Das will die Klöckner jetzt aus dem Gesetz streichen. Die Politik subventioniert die Intensivtierhaltung. In Deutschland werden 56 Millionen Schweine pro Jahr geschlachtet. 20 Millionen Schweine exportieren wir. 12-15 Millionen Schwein landen auf dem Lebensmittelmüll. So viel zum Thema Tierwohl.

 

Aber was ist mit dem Verbraucher? Wie erklärst du dir, dass so viele Menschen - obwohl sie über die Zustände Bescheid wissen - nach wie vor Tierleid fördern und tierische Produkte konsumieren?

Wir werden doch schon als Kinder entsprechend konditioniert. Eltern gehen mit ihren Kindern in den Zoo und in den Zirkus. Was das Kind dabei lernt: Tiere in Gefangenschaft zu halten, ist normal und völlig okay. Auch auf das Fleischessen werden sie von klein auf konditioniert. Ist dir mal aufgefallen, dass es mittlerweile sogar Babynahrung mit Fleisch gibt? Das Marketing der Tierhaltungsbranche ist sehr mächtig und leider auch überzeugend. „Milch macht stark“, „Milch ist die beste Kalziumquelle“ – viele wissen, dass das Blödsinn ist. Aber es wurde uns von klein auf erzählt. 75 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Laktoseintoleranz und viele auch unter Krankheiten wie Neurodermitis. Das ist dadurch bedingt, dass wir schlichtweg keine Milchtrinker sind. Trotzdem wird uns vorgemacht, es sei natürlich. Und wie gesagt, die meisten wissen das, aber der Mensch verdrängt, welches Leid dahinter steckt. Und das ist das Problem. Spricht man die Menschen als Tierrechtler auf das Tierleid an, sagen die meisten, das seien nur Ausnahmen. Und gefühlt jeder kauft auf einmal wieder nur Bio-Fleisch beim „Metzger seines Vertrauens“. Paul Mc Cartney hat mal gesagt: „Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, wären wir alle Vegetarier.“ Recht hat er. Alle wissen, was da drin passiert. Aber so viele verschließen die Augen davor. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass Kinder von Fleischessern in der Schule in einen Schlachthof gehen müssen. Um sich dann entscheiden zu können, bin ich Fleischesser oder nicht. Aber sie müssen es selbst sehen.

 

Von vielen Menschen höre ich immer wieder: Aber der Löwe isst doch auch Fleisch …

Hast du schon mal einen Löwen gesehen, der eine Gazelle fängt, sie künstlich befruchtet, sie in Gefangenschaft hält, junge Gazellen großzieht um sie dann irgendwann bei Bedarf zu töten? Ich kenne kein Tier, das das macht. Nur den Menschen. Und wir sind ja nicht mal Raubtiere. Wir sind gar nicht auf sowas ausgerichtet. Die Tiere sind ja viel schneller als wir. Wir sind doch nicht mal in der Lage, einer Gazelle hinterherzulaufen. Wir können sie nur töten, weil wir uns Waffen angeschafft haben. Übrigens essen wir Fleisch erst, seit wir über Feuer verfügen. Vorher haben wir kein Fleisch gegessen. Ja, wir sind Mischköstler, wir KÖNNEN auch Fleisch verdauen – aber nur weil wir es können, müssen wir es ja nicht tun. Im übrigen sind Löwen im Gegensatz zu uns tatsächlich Fleischfresser. Sie haben das entsprechende Gebiss, sie haben Krallen und einen viel kürzeren Darm als der Mensch. So können sie das Fleisch viel schneller verdauen.

„Ich habe mich oft gefragt: Was tun wir den Tieren an?!“

Vom Metzger, Jäger und leidenschaftlichen Angler zum Veganer und Tierrechtler zu werden, ist natürlich ein großer Schritt. Wie kam es dazu?

Das fing im Grunde schon in meiner Kindheit an. Mein Vater sagte mir mal: Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt genau wie du den Schmerz. Mit diesem Gefühl bin ich groß geworden. Mein Traum war es immer, einen Bauernhof zu übernehmen. Meine Eltern hatten einen riesigen Garten, da haben wir Kaninchen gehalten. Ein Kaninchen gehörte meinem Bruder, eines mir. Das haben wir mit der Hand großgezogen. Im Oktober mussten die dann geschlachtet werden. Beim ersten Mal habe ich geheult, im nächsten Jahr wollte ich selbst schlachten. Ich habe zu diesem Zeitpunkt gelernt, dass ein Tier ein Nahrungsmittel ist. Das war für mich etwas ganz Normales. Wir haben die Kaninchen immer so geschlachtet, dass die anderen es nicht mitbekommen haben. Die Kaninchen wurden also nie dort geschlachtet, wo die anderen toten Kaninchen waren. Denn die haben das gespürt, gerochen und sie hatten Angst. Ich hatte die Kaninchen auf dem Weg zum Schlachten im Arm, hab sie gestreichelt, dann hat mein Vater die Tiere am Nacken gepackt und ihnen den Knüppel über den Kopf gezogen. Auch das war normal für mich. Deswegen war ich in meiner Fleischausbildung auch so schockiert von dem Fleisch, das ich gesehen habe. Was muss mit dem Tier geschehen sein, dass es mit solchen Abszessen hierher kommt? Als ich im Schlachthof gesehen habe, wie rüde die Tiere getrieben wurden, wie sie mit Elektroschockern drangsaliert wurden, in Panik aus den Tiertransportern bei uns ankamen, da habe ich mich gefragt: Was tun wir den Tieren an?! Das war der Zeitpunkt, ab dem ich mich für die Tiere einsetzen wollte. Ich habe allerdings nach wie vor Fleisch gegessen. Und ich schlachtete auch noch immer selbst. Ich habe auch noch geangelt, die Tiere aber immer mit Respekt behandelt. Zumindest war ich damals der Meinung, dass ich es getan habe. 2014 habe ich dann im Urlaub einen Hecht gefangen. Ich habe ihm die Augen gesehen und konnte ihn nicht töten. Ich habe den Hecht freigelassen, bin nach Hause gegangen und habe meiner Frau weisgemacht, ich hätte nichts gefangen. Am nächsten Tag war es mir dann „zu heiß“ zum Angeln, am übernächsten „zu kalt“. Ich habe also ständig nach Ausreden gesucht, nicht mehr angeln gehen zu müssen. Immer wieder sah ich die Augen des Hechts vor mir. Und wir erinnern uns an meine Devise: Wer nicht töten kann, darf kein Fleisch essen. Und ich konnte nicht mehr töten. Nach ein paar Tagen hab ich dann zu meiner Frau gesagt: „Ich lebe jetzt vegan. Jetzt. Sofort.“ Sie wollte es dann erst mal vegetarisch probieren. Ich habe ihr dann erklärt, dass Milchvieh- und Geflügelhaltung mit die schlimmsten Tierhaltungen überhaupt sind. So konnte ich sie dann auch vom Veganismus überzeugen. Und auch meine Mutter hat sich uns angeschlossen. Sie ist mit 72 Jahren von heute auf morgen zur Veganerin geworden. Die ist mittlerweile Hardcore-Veganerin – seit über vier Jahren.

 

Ich höre so oft: Ich als Einzelner kann doch nichts tun. Ich bin aber der Meinung, dass jeder Einzelne Berge versetzen kann, wenn er etwas tun. Was sagst du dazu?

Da fällt mir direkt ein schöner Satz ein: Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen. Andere Menschen können wir leider nicht verändern. Aber ich kann mich selbst ändern. Ich kann ein Vorbild sein. Fleischessern lege ich gerne ans Herz, mal einen veganen Tag pro Woche einzulegen. Den Vegetariern rufe ich zu: geht den nächsten konsequenten Schritt. Wir dürfen beim Veganismus nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Die Vielfalt der veganen Küche, der Einklang mit der Natur, die Gewissheit, dass wegen meines Konsums keine Tiere mehr sterben müssen – das ist ein unglaublicher Gewinn.

 

Was ich noch dazu loswerden möchte:

Allein in Deutschland werden jährlich über 56 Millionen Schweine, 3 Millionen Rinder, 622 Millionen Hühner und andere Vögel auf grausame, unmenschliche Weise für unseren Konsum getötet, Fische sind es 1800 Milliarden weltweit. Das sind Zahlen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen kann. Fakt ist, wir brauchen weder Fisch noch Fleisch oder Milchprodukte, um gesund sein zu können. Im Gegenteil, eine Ernährung mit tierischen Produkten kann uns sogar schaden. Was ist es also, das uns davon abhält, das alles nicht mehr zu unterstützen? Gewohnheit? Bequemlichkeit? Der Geschmack von Käse? Klingt im Verhältnis zu den Qualen, die die Tiere dafür in Kauf nehmen müssen, ziemlich banal. Das allein kann es doch nicht sein. Oder doch?
Tiere haben die reinsten Herzen. Sie können sich gegen den Menschen und diese grausame Maschinerie nicht wehren. Deswegen müssen wir Menschen das für sie tun. Wir müssen auf ihrer Seite stehen, uns für sie einsetzen und unsere Stimme für sie erheben. Mit aller Macht die wir haben. Das Mindeste, das wir für sie tun können, ist, sie nicht mehr auszubeuten und zu essen. Je mehr Menschen auf der Seite unserer Mitgeschöpfe stehen, desto schneller können wir sie vor noch mehr Leid bewahren. Lasst uns zusammen für die Tiere kämpfen! Lasst uns etwas tun! Mitleid allein ist zu wenig.

 

p

Wer mehr über Peters Arbeit als Tierrechtsaktivist erfahren möchte, kann ihm bei Facebook folgen.

Als kleiner Nachtrag findet ihr hier noch das Video zu Peters Kampagne #ichbindabei

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4 Kommentare

  1. Isabelle Schweizer

    Ach Tante..ich bin so unfassbar stolz auf dich!!Du setzt was in die Welt, was nicht jeder tun würde. Dein Mitgefühl für die Tierwelt sowie dein Engagement, rührt mich zu Tränen.
    Ich möchte jetzt noch mehr anfangen noch stärker an mir zu arbeiten, was den Fleischkonsum anbelangt und nicht mehr weg zu schauen. Ich unterstütze dich, wo ich nur kann und wenn du mich brauchst, bin ich da. Ich hab dich so unfassbar lieb und ihr beiden seid nicht nur Tante und Onkel für mich, sondern so viel mehr!!Alles Liebe, dein Kürbis!

    Antworten
    • Tanja Hauser

      Oh wow, danke für deine unglaublich schönen Worte <3 Musste grad eine kleine Träne verdrücken. Haben dich auch sehr sehr lieb!! Tante und Onkiiiiii

      Antworten
  2. Iris Asiya Pasternack

    Was für ein beeindruckendes Interview.. und was für tolle Männer – und genau der richtige Ansatz!

    An die Quelle zurück zu den Orten zu gehen wo die Tiere diesem unsäglichen Leid und Schrecken ausgesetzt sind, um dort an den „Stellschrauben“ zu drehen, die sich in dem Fall in den Herzen der Schlachter befinden. Wenn wir in jedes dieser Herzen den Samen des MItgefühls legen z.B. durch solche Interviews oder Videos, wird die Tierleidindustrie bald Geschichte sein. In diesen drei Herzen ist der Same ja bereits aufgegangen… und wie!!! 🙂

    Ein riesengrosses DANKE im Namen der Stimmlosen..

    Das Vegane Zeitalter hat begonnen…. 🙂

    Antworten
    • Tanja Hauser

      Wow, vielen lieben Dank für diesen lieben Kommentar! Ich seh das ganz genauso: Es braucht mehr Menschen wie diese. Und es werden immer mehr 🙂 Das vegane Zeitalter hat definitiv begonnen 🙂

      Antworten

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