Tilda, die Kämpferin

Tilda, die Kämpferin

Nov 11, 2022 | Inspiring Earthlings

Der 19. Juni 2020 war ein besonderer Tag. Für Chantal Kaufmann, aber auch für Tilda. Tilda, die mit einem waghalsigen Sprung aus einem Schlachttransporter vor der ihr bevorstehenden Schlachtung floh. Eine Flucht, die mehr als 45 Minuten dauerte. Mit aller Kraft kämpfte Tilda um ihr Leben und ließ nichts unversucht, sich ihre Freiheit zu erkämpfen. Zu ihrem großen Glück war Chantal vor Ort, der in diesen 45 Minuten nur ein Gedanke durch den Kopf ging: Ich muss dieses Tier retten!

 

 

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Bilder: Chantal Kaufmann

Du warst dabei, als Tilda mutig aus einem Schlachttransporter sprang. Woher kam sie? Wie alt war sie zu dem Zeitpunkt?

Tilda kam aus einem Schweizer Mastbetrieb und hat in ihrem Leben nie eine Weide gesehen. Sie war gerade einmal ein Jahr und vier Monate alt, als sie frühmorgens beim Schlachthof angeliefert wurde.

Kannst du diese Momente beschreiben? Warum warst du vor Ort? Was ging in dir vor?

Ich stehe regelmässig vor Schlachthöfen oder nehme an Schlachthof-Mahnwachen teil, um die letzen Lebensmomente der angelieferten Tiere zu dokumentieren und auf das Leid der Nutztiere aufmerksam zu machen. Eines Morgens ist Tilda direkt vor meinen Augen beim Ausladen eines Schlachttransporters in große Panik geraten. Mit einem waghalsigen Sprung über die Bande hat sie mit aller Kraft versucht ihr Leben zu retten und ist in die Tiefe gestürzt. Ein Moment, der sich für immer in meine Seele gebrannt hat. Ich fühlte einen so tiefen Schmerz, als ich sie fallen sah.

Ich stell mir die Situation ziemlich nervenaufreibend vor. Wie hast du es geschafft, sogar noch Bilder von Tilda zu machen, als sie über die Bande sprang?

Ich zitterte am ganzen Körper, während ich Tilda fotografierte und filmte. Zu sehen, wie sie um ihr Leben gekämpft hat, war unbeschreiblich bewegend und ich wollte alles versuchen, dass ihre Flucht nicht umsonst war. Mir war aber auch klar, dass die Chancen, sie retten zu können, sehr gering waren. Das Einzige, was ich in diesem Moment für sie tun konnte, war schnellstmöglich Hilfe zu kontaktieren, einen Lebensplatz zu finden und ihre Flucht zu dokumentieren.

„Eigentlich hat sie sich ihren Namen selbst ausgesucht.

Tilda, das bedeutet Kämpferin.“

Wie haben die Schlachthofmitarbeitenden reagiert, als sie floh? Gab es Versuche, sie wieder einzufangen? Wie sind sie mit der Situation umgegangen?

Tilda ist nach ihrem Sturz aus dem Schlachttransporter sofort wieder aufgestanden und losgerannt. Ihre Flucht über das gesamte Schlachthaus-Areal und Umgebung dauerte über 45 Minuten und sie hat nichts unversucht gelassen, sich ihre Freiheit zu erkämpfen. Mehrere Einfangversuche der Schlachthofmitarbeitenden schlugen fehl. Als sie in eine Sackgasse rannte, dauerte es nicht mehr lange und ihre Flucht war zu Ende. Ihr Rückweg wurde mit einem Schlachttransporter blockiert und sie wurde dann aus der Sackgasse heraus in den Transporter getrieben.

War es schwierig, Tilda freizukaufen? Also gab es Diskussionen?

Ich trat sofort mit den Schlachthofmitarbeitenden in Kontakt. Der Schlachthof-Chef hat sehr schnell Tildas Rettung zugestimmt und nach längeren Gesprächen und bangen Minuten stimmte schlussendlich auch der Tierhändler ihrer Rettung und der Übernahme zu. Ich war unendlich glücklich und auch die Schlachthofmitarbeitenden hatten Freude, dass sie leben wird und erkundigten sich sogar, wohin Tilda kommen wird.

 

Wie ging es dann für Tilda weiter?

Der anschließende Transport und die Ankunft in der Tierklinik zeigten, wie panisch sie auch noch nach ihrer Rettung war. Sie wehrte sich und versuchte immer wieder zu fliehen und kämpfte weiter, bis sie nicht mehr konnte. Das waren herzzerreißende Momente. Im Tierspital bekam sie dann ihren Namen – eigentlich hat sie ihn selbst ausgesucht – Tilda, das bedeutet Kämpferin.

„Es war so berührend zu sehen, wie sie immer wieder die Nähe zu ihrer neuen Familie suchte.“

Wie habt ihr so schnell einen Lebenshof für Tilda gefunden?

Tilda war zum Glück genug lange auf der Flucht, sodass ich Zeit hatte, Olivier Bieli vom Gnadenhof Papillon zu kontaktieren. Umgehend fragte er die Villa Kuhnterbunt von Bea Gutzwiller an und sie beschlossen sofort die gemeinsame Rettung. Ein Platz in einer Herde voller geretteter Ochsen und Kühe wartete da bereits auf Tilda. Doch zu diesem Zeitpunkt schien ihre Rettung noch in weiter Ferne.

Wo lebt Tilda jetzt und wie sieht ihr Leben aus?

Als sie nach einem mehrtägigen Klinikaufenthalt endlich auf dem Lebenshof Villa Kuhnterbunt ankam, wurde sie von ihrer neuen Familie äußerst liebevoll und neugierig begrüßt. Ein paar Tage später durfte sie dann zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Weide gehen, im Schutze ihrer neuen kuhnterbunten Kuh- Familie. Es war unbeschreiblich berührend, sie so zu sehen, wie sie das erste Mal Gras unter ihren Hufen spürte, wie sie kreuz und quer über die große Weide rannte, wie sie neugierig ihre Umgebung erforschte, wie sie immer wieder die Nähe zu ihrer neuen Familie suchte und uns mehr und mehr ihr Vertrauen schenkte. Ich bin so glücklich und tief dankbar, dass sie in der wunderbaren Villa Kuhnterbunt ihr Für-Immer-Zuhause gefunden hat. Ein Leben im Schutze ihrer Kuhfamilie und umgeben von Menschen, die sie lieben und respektieren, fern von menschlichen Nutzungsansprüchen.

„Sie spürte das erste Mal Gras unter ihren Hufen und rannte kreuz und quer über die große Weide.“

Danke, Chantal! Für dieses Interview, deine Kunst und für alles, was du für die Tiere tust! Wer mehr über Chantal und ihre Kunst erfahren möchte: Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Noch mehr über Chantal erfahrt ihr auf ihrer Webseite.

Zu Chantals Instagram-Account geht es hier.

Eine bewegende Geschichte, oder?
Lass mich gerne wissen, was du darüber denkst!

 

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