Was man über Kaninchen wissen sollte

Was man über Kaninchen wissen sollte

Mrz 19, 2024 | Ostern, Vegan Basics

Kaninchen und Karotten gehören doch gefühlt untrennbar zusammen, oder nicht? Aber wusstet ihr, dass Kaninchen die eigentlich gar nicht essen dürfen? Und was ist mit diesen Pellets, die in jedem Zoofachhandel billig gekauft werden können? Und sollten Kaninchen wirklich im Käfig gehalten werden? All diese Fragen habe ich zwei Menschen gestellt, die es wissen müssen: Laura und Lutz leben seit 2017 mit 14 Kaninchen und jeder Menge anderen Tieren auf ihrem Lebenshof der Ellswiese und kümmern sich aufopfernd um all ihre Schützlinge. Laura ist gelernte tiermedizinische Fachangestellte und hat Forstwissenschaften und Waldökologie studiert. Sie kümmert sich vor allem um den medizinischen Part, um alle Tiere, die im Haus leben und den Social-Media-Kanal. Lutz hat eine Ausbildung im IT-Bereich absolviert und danach ein BWL-Studium abgeschlossen. Er ist für die technischen, handwerklichen und einige organisatorische Belange verantwortlich und kümmert sich um die Außengehege. Mir haben die beiden erzählt, was man alles über Kaninchen wissen sollte, wie all ihre Tiere zu ihnen kamen und warum Laura oft besser über Kaninchen Bescheid weiß als so mancher Tierarzt/manche Tierärztin.

Danke euch beiden – für eure Zeit, eure wertvolle Arbeit und dass ihr diesen wundervollen Tieren ein so tolles Zuhause gebt!

 

 

 

 

Bilder: Ellswiese

Laura und Lutz von der Ellswiese

Laura und Lutz, könnt ihr erst mal ein bisschen was über euch erzählen? Wie lange gibt es euren Lebenshof schon und wie kam es dazu? Woher kommt der Name „Ellswiese“?

Die Ellswiese gibt es bereits seit 2017. Zuerst haben wir den Hof privat betrieben, seit letztem Jahr sind wir ein gemeinnütziger Verein. Was das Thema Landwirtschaft angeht, haben wir wissenstechnisch bei null angefangen und uns alles selbst angeeignet. Wir haben hier aber auch wirklich tollen Support aus der Nachbarschaft von einem Bauernhof, was wir natürlich sehr kritisch sehen. Aber sie unterstützen uns wirklich, wo sie können, sowohl praktisch als auch mit Wissen. Das ist natürlich Gold wert.
Geplant war ursprünglich, dass wir Großtiere aufnehmen. Wir haben das System der Ausnutzung von Tieren einfach nicht mehr ertragen. Wenn wir an Tiertransportern vorbeigefahren sind und die Schweineschnuten da rausgeschaut haben, hat sich bei uns einfach alles zusammengeschnürt. Das war wirklich schlimm für uns. Außerdem wusste ich zu dem Zeitpunkt beruflich irgendwie nicht mehr weiter, ich wollte nicht im Forst bleiben, es war einfach nichts für mich und es ging mir mit dem Natur- und Tierschutz nicht weit genug. Irgendwann hat mich Lutz dann gefragt, was ich denn am liebsten mache. Ich hab dann so zu den Hunden rübergeschaut und mir war klar, dass ich was mit Tieren machen wollte. Das war die Geburtsstunde der Ellswiese.
Die „Ellswiese“ heißt so wegen Lutz und Laura, also „L“ und „L“. Wir wollten unseren Hof so nennen, weil das die Wiese ist, auf der die Tiere in unserer Obhut keinen Nutzen bringen müssen, sie dürfen hier einfach nur sein und sind hier in Sicherheit. Das ist der Wunsch dahinter gewesen.

Wer lebt alles auf eurem Hof?

Mittlerweile leben hier zwei Mini-Schweine, Schafe (seit Neuestem auch zwei Lämmchen), Ziegen, Hunde, eine Katze, Rennmäuse, Degus, Chinchillas, Hamster, Enten, Tauben und natürlich Kaninchen.

Woher kommen denn all eure Kaninchen?

Ganz am Anfang haben wir fünf Kaninchen aus dem Tierheim geholt. Ebay-Kleinanzeigen war für uns damals auch noch relativ präsent, da haben wir regelmäßig nach gruseligen Anzeigen geschaut. Dann haben wir auch noch so klassische „Kinderzimmer-Kaninchen“. Bob zum Beispiel ist ein Teddy-Kaninchen und war verfilzt von oben bis unten. Mittlerweile arbeiten wir viel mit Burg Nagezahn zusammen. Mit den Besitzern sind wir befreundet, Natascha arbeitet im Tierheim Berlin in der Heimtierabteilung. Von dort kommen immer mal wieder die schwer vermittelbaren Kaninchen zu uns. Schwer vermittelbar bedeutet zum Beispiel einfach schon, dass die Zahnspitzen immer mal wieder geschliffen werden müssen. Und dann haben wir auch noch Kaninchen aus der Ukraine.

„Auch bei der Haustierhaltung müssen die Tiere einem Nutzen unterliegen. Sie müssen niedlich sein, sie müssen sich anfassen lassen. Sie sind dafür da, dass der Mensch eine Beschäftigung hat. “

Leider sind ja auch Kaninchen sogenannte „Nutztiere“. Aber wofür nutzt Mensch sie denn eigentlich?

Ja, leider. Zum einen werden sie natürlich auch geschlachtet. Wir haben sogar ein Schlachtkaninchen bei uns, es heißt Sam. Er wurde zum Glück verschont, die Leute wussten dann aber auch nicht mehr, wohin mit ihm. Und so ist er bei uns gelandet. Aber auch bei der Haustierhaltung müssen die Tiere einem Nutzen unterliegen. Sie müssen niedlich sein, sie müssen sich anfassen lassen. Sie sind dafür da, dass der Mensch eine Beschäftigung hat. Und sie müssen für Kinder „funktionieren“. Das kann klappen, muss es aber nicht zwangsläufig. Kaninchen sind Fluchttiere, die es zum Beispiel überhaupt nicht mögen, hochgehoben zu werden. Und anders als eine Katze, kommuniziert das Kaninchen nicht, dass es das nicht möchte, sondern lässt es einfach über sich ergehen. Und was man auch oft vergisst: Sie müssen natürlich auch für viele grausame Tierversuche herhalten, zum Beispiel für die Kosmetikindustrie.

Bei Kaninchen spricht man ja umgangssprachlich oft auch einfach von "Hasen". Gibt es da eigentlich einen Unterschied?

Ja, da gibt es Unterschiede. Der Feldhase lebt zum Beispiel allein und trifft sich nur zur Paarung. Er ließ sich auch nie domestizieren. Wildkaninchen sind dagegen immer in Gruppen unterwegs. Wenn Hasen Nachwuchs bekommen, sind die Babys schon komplett „fertig“, Kaninchen dagegen sind nackt und blind, wenn sie auf die Welt kommen. Hasen haben außerdem längere Ohren und die Augen sind mehr seitlich am Kopf.

Kaninchenwelt

Als ich für dieses Interview recherchiert habe, bin ich über ein paar echt erschreckende Dinge gestolpert und mir wurde bewusst, wie viele Mythen kursieren und wie viel man bei der Kaninchenhaltung falsch machen kann. Was sagt ihr zu … Kaninchen und Karotten?

Viele sagen, dass Karotten für Kaninchen das sind, was für uns die Schokolade ist und sie die ja schon mal essen könnten. Zum Teil stimmt das, aber das wirkliche Problem an der Karotte ist für Kaninchen das Gebiss. Kaninchen sind darauf spezialisiert, Blättriges zu essen, also zum Beispiel Bittersalate, Küchenkräuter, Kohlrabiblätter oder Grünkohl.
Die Kaubewegung von Kaninchen ist immer horizontal. Dadurch werden die ständig nachwachsenden Zähnchen quasi immer wieder abgeschliffen. Wenn Kaninchen eine Karotte essen, müssen sie vertikal kauen, so wie wir auch. Ihr Gebiss ist dafür aber überhaupt nicht ausgelegt. Ihr Kieferknochen ist ganz dünn. Wenn sie vertikal kauen, kann es passieren, dass die Wurzeln durch diesen Knochen geschoben werden. Das kann dann dazu führen, dass die Zähne falsch wachsen, wodurch Abszesse am Kiefer entstehen können und die Zähne gezogen werden müssen. Das mag vielleicht nicht direkt bei der ersten Karotte passieren, aber auf Dauer wird das Gebiss dadurch mechanisch kaputt gemacht. Das Ganze gilt natürlich entsprechend auch für Äpfel, Pastinaken, Rote Bete, Fenchel oder hartes Brot. 

… Kaninchen und Pellets, die man ja überall kaufen kann?

Pellets sind leider ein sehr krankmachendes Futter, aber superbillig. Mit den Pellets liegst du bei etwa zwei Euro im Monat, was den Leuten natürlich suggeriert, dass Kaninchen günstig in der Haltung seien. Wir zahlen dagegen in der Winterfütterung etwa 60 Euro im Monat pro Tier. Im Sommer gehen wir hauptsächlich Krautiges sammeln. Bei 14 Kaninchen bist du da schnell bei zehn Kilo für einen Tag. Außerdem sind die Pellets natürlich genauso schlecht für die Zähne wie Karotten auch. Bei uns kommen Pellets ausschließlich für zahnkranke Kaninchen zum Einsatz. Die können eingeweicht und so dann gegessen werden unser Heinrich zum Beispiel hat gar keine Zähne mehr und muss deshalb so gefüttert werden.

… Kaninchen und Käfighaltung?

Die Käfige kannst du kaufen, das Gitter wegwerfen und die Unterschale als Kaninchen-Toilette nutzen. Ansonsten sollten Käfige für Kaninchen niemals zum Einsatz kommen. Drei Quadratmeter pro Kaninchen sollte man auf jeden Fall einplanen, also sechs Quadratmeter für ein Pärchen. Am besten ist natürlich die freie Wohnungshaltung, wobei man natürlich die Kabel sichern muss. So hat man dann aber das Miteinander mit dem Tier und so kann das Kaninchen freiwillig zu einem kommen oder eben auch nicht, wenn es das nicht möchte. Die allermeisten Kaninchen sind übrigens stubenrein. Käfighaltung nur nachts ist auch nicht optimal, da Kaninchen eigentlich immer einen großen Bewegungsdrang haben und dämmerungsaktiv sind, also hauptsächlich abends und früh morgens. Nicht zuletzt ist ausreichende Bewegung auch wichtig für eine gute Verdauung.

Kaninchen auf einer Wiese
Kaninchen, das Dill futtert
Zwei Kaninchen

… Kaninchen und Einzelhaltung?

Kaninchen in Einzelhaltung sind eine absolute Quälerei. Kaninchen brauchen ein Partnertier. Sie brauchen die Nähe zu Artgenossen, sie müssen interagieren können und sind auch gesünder, wenn sie einen Partner haben, außerdem bewegen sie sich mehr und essen besser. Wir hatten auch schon Kaninchen in Quarantäne und du merkst den Tieren an, wie sie abbauen und nur noch in sich leben. Kaum haben sie wieder ein Partnertier, sind sie wie ausgewechselt. Dabei müssen es auch gar nicht gleich fünf Tiere sein. Ein Pärchen reicht da erst mal vollkommen, am besten funktionieren dann Männchen und Weibchen.

… Kaninchen und Impfungen?

Impfungen und generell die tierärztliche Versorgung sind sehr wichtige Themen. Was man wissen muss: Nicht alle Tierärzte/Tierärztinnen kennen sich mit Kaninchen aus. Mit der Zusatzbezeichnung „Heimtiere“ kann man davon ausgehen, dass sie auch auf Kaninchen spezialisiert und besser ausgebildet sind, denn im Studium werden Kaninchen und Co leider kaum behandelt. Man sollte sich also darüber im Klaren sein, dass man eventuell für einen Tierarztbesuch weit fahren muss, bis man einen Tierarzt/eine Tierärztin findet, der/die sich mit Kaninchen wirklich auskennt.
Absolut essenziell ist es, Kaninchen gegen RHD 1 und RHD 2 sowie gegen Myxomatose impfen zu lassen und dass sie auch richtig geimpft werden. Wir impfen immer mit einem Impfstoff, der nur RHD 1 und 2 hat und vier Wochen später boostern wir dann noch mal. Der Booster hat dann noch den Myxomatose-Impfstoff mit drin. Nur so haben wir wirklich auch einen Schutz. Wir machen das ohne Boostern halbjährlich, aber auch das muss man natürlich finanziell stemmen können. Die medizinische Versorgung von Kaninchen wird generell sehr unterschätzt. Was das angeht, sind Kaninchen bei uns die teuersten Tiere. Die Kaninchenwiese empfiehlt, pro Jahr und pro Kaninchen etwa 2.000 Euro zur Seite zu legen, wenn man keine Versicherung hat. So ist es also nicht nur platztechnisch, sondern auch in Bezug auf die Kosten ratsam, sich gut zu überlegen, ob man Kaninchen zu sich nach Hause holen möchte.

So könnt ihr die Ellswiese unterstützen:

Ihr könnt zum Beispiel Patenschaften direkt für ein Tier, generell für den Hof oder für einzelne Bereiche übernehmen. Auch Sachspenden, zum Beispiel über die Amazon-Wishlist, sind natürlich auch immer willkommen. Ebenso Zeit und Manpower, zum Beispiel bei den regelmäßig stattfindenden Helfertagen. Und nicht zuletzt hilft es natürlich auch, bei Social Media die Beiträge der Ellswiese zu teilen, zu liken und zu kommentieren 🙂

Abonniert den Kanal der Ellswiese, lasst ein paar Herzchen da, teilt ihre Beiträge! Hier geht es zu ihrem Instagram-Account.

Wusstest du das alles schon?

Lass mir gerne einen Kommentar da!

2 Kommentare

  1. Petra Stober

    Liebe Tanja,

    endlich habe ich diesen Beitrag gelesen wieder mal sehr informativ und auch ich, die schon 4 Hasen hatte, habe viel dazugelernt. Wollte diese Jahr auf einem Lebenshof Urlaub machen mal schauen ob es dieser wird 😉

    Jetzt werde ich noch den anderen Beitrag lesen.

    Liebe Grüße

    Petra (Pesto67)

    Antworten
    • Tanja Hauser

      Hi liebe Petra, tausend Dank für dieses tolle Feedback! Schön, dass auch für dich was Neues dabei war 🙂

      Viele liebe Grüße, Tanja

      Antworten

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